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Optionshandel lernen: Theoretische Grundlagen

In diesem Artikel werden grundlegende Dinge zu Optionen strukturiert und einsteigerfreundlich zusammengefasst. Wenn es teilweise so klingt, als würde man mit einem 5-jährigen Kind sprechen, dann ist das didaktisch beabsichtigt 😉 . Nach und nach werden die wichtigsten Begriffe aus dem Optionshandel erklärt. Wenn etwas unklar bleibt, nutzt gern die Kommentarfunktion.


Inhaltsverzeichnis


Was sind Optionen?

Optionen zählen zu den bedingten Termingeschäften. Termingeschäfte sind Finanzkontrakte, bei denen sich die Vertragsparteien über mehr als zwei Handelstage hinaus verpflichten, die gegenseitige Erfüllung auf einen vereinbarten Zeitpunkt zu verschieben. Die Bedingung rührt von der Wahlmöglichkeit des Käufers einer Option her, sein erworbenes Recht ausüben zu können (nicht zu müssen). Der Wert einer Option leitet sich dabei unter anderem von ihrem Basiswert ab, weshalb Optionen zu den Derivaten (lat. derivare „ableiten“) zählen.

Zu einem Optionsgeschäft gehören immer zwei Parteien: der Optionsnehmer (Käufer) und der Stillhalter (auch Verkäufer, Optionsgeber, Schreiber oder Zeichner). Mit der Option wird für den Käufer ein Recht (aber keine Pflicht) verbrieft, eine definierte Menge eines Basiswertes (Underlying) zu einem bestimmten Preis (Strike) (bis) zu einem bestimmten Zeitpunkt (dem Verfallstag bzw. expiring day) zu kaufen oder zu verkaufen.

Die Käuferseite erwirbt also mit der Option ein Kauf- oder Verkaufsrecht, dass bei Erreichen des Strikes genutzt werden kann. Die Verkäuferseite hingegen geht eine Pflicht ein, bei Erreichen des Strikes den Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen und erhält dafür eine Prämie.


Optionstypen

Eine Kaufoption wird Call-Option oder einfach Call genannt, die Verkaufsoption nennt man Put-Option oder einfach Put.

Sowohl Call-Optionen als auch Put-Optionen können jeweils ge- oder verkauft werden. Wenn man einen Call oder einen Put kauft, spricht man auch von einer Long-Position (Long Call oder Long Put). Wird ein Call oder ein Put verkauft, geht man eine Short-Position ein (Short Call oder Short Put). Es gibt also vier mögliche Grundpositionen im Optionshandel.

Macht der Optionsnehmer von seinem Recht Gebrauch zu kaufen oder zu verkaufen, dann spricht man auch vom Ausüben einer Option. Der Stillhalter (Verkäufer) wird in diesen Fällen „ausgeübt“.

In Bezug auf den expiring day unterscheidet man zwei Ausübungsarten von Optionen: Bei „amerikanischen“ Optionen kann der Käufer sein Recht jederzeit, also auch vor dem Verfallstag ausüben, während „europäische“ Optionen nur am Verfallstag selbst ausgeübt werden können. In der Regel werden aber auch amerikanische Optionen nur sehr selten, d.h. ca. 1/1000 Optionen, vor dem expiring day ausgeübt.


Basiswerte

Es gibt die verschiedensten Basiswerte (Underlyings), u.a. Aktien, Indizes, ETFs, Devisen, Edelmetalle und viele mehr. Der Einfachheit halber beschränken wir uns hier auf Aktienoptionen. Am häufigsten werden Aktienoptionen für ein Paket von 100 Aktien gehandelt.


Prämie

Mit der Prämie wird der Verkäufer einer Option für sein Risiko ausgeübt zu werden, bezahlt. Der Verkäufer erhält die Prämie direkt zum Verkaufszeitpunkt und unabhängig davon, wann und ob die Option durch den Käufer ausgeübt wird. Aus Sicht des Käufers ist die Prämie nichts anderes als der Preis der Option.


Wie setzt sich der Optionspreis zusammen?

Der Preis einer Option setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen.

Der innere Wert entspricht dem Wert der (theoretischen) aktuellen Ausübung der Option und wird maßgeblich vom Kurs des Basiswertes (in unserem Fall also vom Aktienkurs) bestimmt. In der Grafik wird der Effekt von Kursänderungen auf die Prämie aus Käufersicht für Put- und Call-Optionen dargestellt:

Auswirkungen von Kursänderungen (Doppelpfeil) auf die Prämie, inspiriert von deltavalue.de

Anders als beim Neuwagenkauf verringert sich der Zeitwert einer Option (äußerer Wert) anfangs nur sehr langsam und mit abnehmender Laufzeit immer mehr, bis er am Verfallstag schließlich null beträgt. Optionen mit langen Laufzeiten sind daher im Vergleich zu ansonsten identischen Optionen mit kürzeren Laufzeiten teurer, da durch die längere Laufzeit mehr Risiko für den Verkäufer besteht.

Als Stillhalter profitiert man vom Zeitwertverfall, der bis etwa zum Tag 50 vor dem Verfallstag noch annähernd linear verläuft. Gegen Ende der Laufzeit beschleunigt sich der Zeitwertverfall zunehmend. Die anfangs teuer verkauften Optionen sind dann nur noch einen Bruchteil wert (und könnten ggf. günstig zurückgekauft werden).

Entscheidend beeinflusst wird der Zeitwert von der Volatilität des Basiswertes. Steigt die Volatilität, steigt auch der Zeitwert und umgekehrt. Für Stillhalter (zur Wiederholung: das sind die Verkäufer von Optionen) sind Phasen hoher Volatilität und damit risikoreichere Handelsphasen auch deshalb lukrativer.


Strike / Ausübungspreis / Basispreis

Der Strike ist der vereinbarte Preis, zu dem der Verkäufer einer Option den Basiswert kaufen oder verkaufen muss, wenn der Käufer von seinem Kauf- oder Verkaufsrecht Gebrauch macht.

Um als Optionskäufer die Wirtschaftlichkeit einer Ausübung zu bewerten, muss man die bezahlte Prämie und den Abstand des aktuellen Preises des Basiswertes zum Strike berücksichtigen. Die Ausübung einer Option ist also nur dann sinnvoll, wenn die folgende Bedingung erfüllt ist (am Beispiel eines Aktienpakets von 100 Stück als Basiswert):

[Betrag des Abstands zum Strike x 100] – [Prämie + Orderkosten] > 0

Aus Stillhaltersicht ist diese „Formel“ meist hinfällig: Der Broker übt automatisch aus, wenn bei Handelsschluss am Verfallstag der Strike über- bzw. unterschritten ist.


Schreibweise von Optionen

Nachdem wir nun die Optionstypen kennen und schon mal etwas über den Verfallstag, den Basiswert und den Strike erfahren haben, kommen wir noch kurz zur üblichen Schreibweise von Optionen, die sich aus den genannten Bausteinen zusammensetzt:

[Basiswert] – [Verfallstag] – [Strike] – [Optionstyp]

Als Beispiel: eine Put-Option auf Comcast-Aktien mit einem Strike von 41, die am 25.05.2024 verfällt, würde so im Portfolio stehen:

CMCSA 25MAY24 41 P

oder auch so:

CMCSA MAY’25 24 41 PUT

Ich erwähne hier beide Schreibweisen – evtl. gibt es auch noch mehr – da ich bei meinem Broker, Captrader, schon beide Schreibweisen gesehen habe.


Geldnähe

Der Abstand zum Strike hat in der Welt der Optionen einen eigenen Namen: Geldnähe oder Moneyness. Die Geldnähe spielt eine Rolle bei der Wahl des Strikes und lässt sich in drei Kategorien einteilen:

Geldnähe (Moneyness)CALLPUT
im Geld (in the money)
ITM
Kurs > StrikeKurs < Strike
aus dem Geld (out of the money)
OTM
Kurs < StrikeKurs > Strike
am Geld (at the money)
ATM
Kurs = StrikeKurs = Strike

Je nach Absicht können die verschiedenen Wertigkeiten gewollt oder ungewollt sein. Bspw. ist es von Vorteil eine Put-Option nah am Geld zu kaufen, wenn ich darauf spekuliere, mir die Aktie ins Depot zu holen. Möchte ich eine Aktie behalten und durch die Prämie eines Short Calls ein kleines Zusatzeinkommen verdienen, sollte ich einen ausreichenden Abstand zum Geld einhalten, also aus dem Geld verkaufen um möglichst nicht ausgeübt zu werden.


Einflussgrößen

Was beeinflusst nun alles den Preis einer Option bzw. die Prämie beim Verkauf einer Option? Das sind zum einen Faktoren, die man sich sozusagen aussuchen darf:

  • den Strike bzw. dessen Abstand zum Kurs des Basiswerts und
  • die Restlaufzeit bis zum Verfallstag

Zum anderen beeinflussen noch Faktoren, die man in Abhängigkeit der eigenen Ziele berücksichtigen sollte:

  • die Volatilität des Basiswerts,
  • der risikofreie, kurzfristige Zinssatz am Markt und
  • evtl. erwartete Dividenden innerhalb der Optionslaufzeit

Kennzahlen

Willkommen im Kennzahlen-Dschungel. Die Welt der Optionen ist voll davon, insbesondere voll von den sogenannten Options-Griechen. In diesem Artikel beschränke ich mich auf insgesamt drei besonders relevante Kennzahlen, davon ein Options-Grieche:

Delta

Mathematisch betrachtet ist das Delta die erste Ableitung des Optionspreises nach dem Preis des Basiswertes. Entsprechend würde ein Delta von 0,5 bedeuten, dass eine Veränderung des Basiswertes um 1 USD (in linearer Näherung) eine Veränderung des Optionspreises von 50 Cent hervorruft. Interessant, aber genug davon 😉 .

Einfacher zu merken ist die Bedeutung des Deltas, das bei einer Put-Option Werte zwischen 0 und minus 1, bei einer Call-Option Werte zwischen 0 und plus 1 annehmen kann. Wir betrachten ab jetzt nur noch den Betrag des Deltas.

Vereinfacht gesagt, lässt sich dann mit dem Delta die Wahrscheinlichkeit abschätzen, am Ende der Optionslaufzeit im Geld zu liegen. Aus Sicht des Stillhalters: die Wahrscheinlichkeit am Ende der Optionslaufzeit ausgeübt zu werden.

Praktisch bedeutet das: Je höher der Betrag des Deltas, desto näher am Geld, desto mehr Risiko als Stillhalter, aber auch desto höher ist die Prämie.

Implizite Volatilität (IV), IV-Rank und IV-Perzentil

Um die Kennzahlen IV-Rank und IV-Perzentil zu verstehen, werfen wir erst einen Blick auf die implizite Volatilität IV an sich. Die IV lässt sich als ein Maß für die aktuell am Markt erwartete Schwankungsbreite des Basiswertes über die Restlaufzeit der Option interpretieren. Hohe IV-Werte bedeuten hohe Optionspreise und umgekehrt.

Mit den beiden folgenden Kennzahlen lässt sich beurteilen, ob eine Option gerade eher günstig oder teuer zu kaufen oder zu verkaufen ist.

Der IV-Rank setzt den aktuellen IV-Wert ins Verhältnis zu historischen Höchst- und Tiefst-IV-Werten, oft auf die letzten 52 Wochen bezogen. Er gibt das Niveau an, auf welchem sich die aktuelle implizite Volatilität im Vergleich zu diesen vergangenen Höchst- und Tiefstwert befindet.

Der Prozentsatz der Tage, an denen die implizite Volatilität (meist der letzten 52 Wochen) unter der aktuellen impliziten Volatilität lag, wird als IV-Perzentil bezeichnet.

Ein hoher IV-Rank in Verbindung mit einem hohen IV-Perzentil deutet auf eine aktuell teure Option hin. Das ist ungünstig für Käufer und freut die Verkäufer.


Zwischenfazit

Uff, das ist aber eine Menge Holz. Ja, anfangs schon. Lass Dir einfach Zeit, es gibt keinen Grund irgendetwas zu überstürzen. Vielleicht stellst Du nach ein paar Wochen auch fest, dass Optionen für Dich nicht in Frage kommen. Auch okay. Das Wichtigste ist, finde ich, sich wenigstens einmal näher mit einem Finanzinstrument auseinander gesetzt zu haben.

Mein Artikel kann hier nur ein Einstieg sein. Die untenstehenden Quellenangaben decken noch weitere Aspekte ab. Ganz Youtube ist voll von Videos zum Thema Optionen. Es gibt viel zu entdecken! Vieles ergibt sich aus der Praxis und ist auf einmal völlig logisch, wenn man ein paar Nächte drüber geschlafen und erste praktische Gehversuche unternommen hat.

Für mich stellen Optionen, bzw. die Generierung von Cashflow aus Optionen, eine geniale Möglichkeit dar, mit relativ wenig Aufwand, relativ viel Einkommen zu erzeugen. Um konkret zu sein: Ich wende vielleicht eine Stunde pro Woche auf, um ungefähr 10% p.a. zu erhalten – skalierbar! Zum Vergleich: Mit einem MSCI-World-ETF hätte man seit 1975 ca. 8% pro Jahr erwirtschaftet (absolut passiv). Es bleibt am Ende die persönliche Entscheidung bzw. eine Abwägung, ob der Mehraufwand die Renditeerwartung rechtfertigt.

Eine Checkliste für den Weg zum ersten Optionstrade und weitere Infos zur Brokerwahl, Kontogröße usw. gibt’s im Praxisteil zum Optionshandel. Darauf aufbauend stelle ich meine Herangehensweise im Optionshandel in den Folgeartikeln Cashflow aus Optionen mit der Wheel-Strategie und Meine Wheel-Strategie im Detail (noch in Bearbeitung) dar. Die Ansätze sind alle nicht in Stein gemeißelt, können aber gerade für Einsteiger im Bereich Optionen, eine gute Orientierung bieten.


Risikohinweis

Der Handel mit Optionen birgt Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Der Inhalt wurde nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Dennoch übernimmt der Autor keine Verantwortung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Inhalte.

Alle Texte, Hinweise und Informationen stellen keine Empfehlung oder Anlageberatung dar, sondern dienen lediglich der Weiterbildung und der Unterhaltung. Leser des Artikels handeln stets eigenverantwortlich. Eine Haftung, auch im Einzelfall, ist ausgeschlossen.


Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Option_(Wirtschaft)

https://www.df.uzh.ch/financewiki/index.php?title=Hauptseite

https://www.deltavalue.de/optionen-handeln/

https://geldschnurrbart.de/geld-anlegen/optionen/

https://www.captrader.com/glossar

https://estably.com/broker/optionen/optionshandel/optionspraemie/

https://www.lynxbroker.de/boerse/boerse-kurse/optionen/optionsgrundlagen/der-zeitwertverfall-wie-man-mit-dem-zeitwert-von-optionen-geld-verdient


Beitragsbild: Bild von freepik

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Jaeger

    Hallo,
    ich finde dein Exceltemplate interessant, würde gerne aber herausfinden ,wie man über eine API oder über Download des Aktivitätenprotokolls bei IB die Long- und Stillhalteroptionen selektieren kann? Hintergrund ist natürlich, das es im Steuerrecht diverse Steuertöpfe gibt!
    Über eine Antwort würde ich mich freuen!
    Grüße aus Syke
    Olaf

  2. ca$hflower

    Hallo Olaf,
    danke für Deinen Kommentar! Habe mich noch nicht näher mit APIs befasst, grundsätzlich aber natürlich spannend, auch bei der Dokumentation Zeit zu sparen.

    Meine erste Idee wäre, sich einen „benutzerdefinierten Kontoauszug“ anzulegen (die Möglichkeit gibt es jedenfalls bei Captrader, bestimmt auch bei IB). Dort gibt es unter „Abschnittseinstellungen“ die Option, die Positionen nach Long und Short (also verkauften Optionen) aufzuschlüsseln. Das ganze lässt sich dann bspw. in einer PDF darstellen oder als CSV in Excel importieren. Hilft Dir das vielleicht schon weiter?

    Viele Grüße
    Niko

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